Andrea P.: Ich habe mich freigeschwommen

Wie im Formel-1-Auto habe ich das erste halbe Jahr nach dem Anfang meiner persönlichen Zukunftsplanung (PZP) erlebt. Im Frühjahr hatte ich gemerkt, dass ich nicht richtig zufrieden war mit meinem Leben . Und habe beschlossen, dass das so nicht mehr weitergeht. Dann habe ich mit meiner Arbeitsbegleiterin gesprochen und sie hat mir eine Persönliche Zukunftsplanung vorgeschlagen. Das haben wir dann Schritt für Schritt vorbereitet.

Wunsch nach Veränderung

Ich habe überlegt, wen ich bei meiner PZP dabei haben wollte, meine Familie jedenfalls nicht. Zum Schluss habe ich Einladungskarten gemacht und sieben Unterstützer eingeladen, zum Beispiel eine ehemalige Lehrerin, eine Arbeitskollegin, meine gesetzliche Betreuerin und meine Arbeitsbegleiterinnen. Alle sind zum Treffen gekommen und hatten drei Dinge aufgeschrieben, die sie an mir besonders schätzen. Das war ein ganz toller Moment. Und eine sehr schöne Atmosphäre.

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Andrea P. mit ihrer Moderatorin Sandra-Nicole Rohr

Die PZP begann im April. Sandra Rohr, eine Kollegin meiner Arbeitsbegleiterin, hat mich dabei als Moderatorin unterstützt. Anfangs bin ich auf eine Zeitreise gegangen. Was würde ich mir wünschen, wenn ich mir aussuchen könnte, wie mein Leben aussieht, was wäre mir dann wichtig? Da sind viele Punkte gekommen. Mit meiner Arbeit ist alles klar, meine Arbeit in einem Autoteilelager gefällt mir gut, mein Chef ist sehr zufrieden und die Kollegen sind nett. Aber im Privaten stimmte es nicht so, wie ich es mir wünsche. Ich habe meine Wünsche dann auf einer langen Wandtapete aufgeschrieben und auch, wann ich sie erreichen will. Zum Beispiel wollte ich mich von meinem Freund trennen, der mich kontrollierte. Dann wollte ich endlich in eine eigene Wohnung ziehen. Ich habe mir eine Mädelsclique gewünscht und reiten wollte ich auch. Oder wenigstens mal zu einem Turnier gehen.

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Und dann haben wir alle losgelegt. Meine gesetzliche Betreuerin hat erreicht, dass ich nach drei Monaten in eine betreute Wohnung ziehen konnte, die habe ich mir damals dann mit einer Mitbewohnerin geteilt. Beim Auszug haben alle geholfen, es ging ganz schnell, denn ich wollte nicht, dass mein Freund dabei ist und vielleicht Ärger macht.

Um die Mädelsclique wollte ich mich eigentlich erst später kümmern. Aber dann hat auch das ganz schnell geklappt, noch vor unserem zweiten Treffen im Unterstützerkreis. Freundinnen findet man ja nicht auf der Straße. Also habe ich bei Leben mit Behinderung hier in Hamburg nachgefragt, ob man dort einmal im Monat ein Treffen für alle veranstalten könnte, die auch beste Freundinnen suchen. Das fanden die so toll, dass sie das gleich gemacht haben. Das hieß dann Hamburger Stadttreiben. Und da habe ich Freundinnen gefunden.

Also, reiten habe ich noch nicht gemacht, aber ich habe mir eine Pferdedecke gekauft und bin zu einem Turnier eingeladen worden. Und als ich dann meine Wohnung richtig eingerichtet hatte und ein Jahr nach der Zukunftsplanung um war, habe ich ein großes Fest veranstaltet.

Der Weg der Zukunftsplanung

Die PZP war wichtig für mich, denn ich brauchte einen Denkanstoß, einen Stein, der losrollt. Und das war dann eine Lawine! Aber klar habe ich mir die Entscheidungen immer noch mal durch den Kopf gehen lassen. Seitdem hat sich viel bei mir verändert, es ist anders als früher. Ich treffe mich öfters mit Arbeitskolleginnen und Freundinnen und fühle mich frei. Vorher war ich immer so eingeengt, weil ich vieles nicht durfte. Und es ist schon ein gutes Gefühl, dass Menschen um mich sind, die Hilfe und Unterstützung geben und denen ich vertrauen kann. Dabei waren es nicht nur angenehme Themen. Aber es war eine spannende Reise, und ich habe mich freigeschwommen, habe meinen Berg geschafft und bin ein neuer Mensch!

Andrea hat ihren Plan erfolgreich verwirklicht.

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